Er sucht sie. wo bist du

Posted by / 30-Nov-2017 17:30

Es sei stets seine "warnende Stimme" und sein "göttliches Zeichen" (Anm.7) gewesen, auf das er sich verlassen habe.Ausdrücklich vom Daimon selbst, vom Schicksal, schrieb Platon dann im "Staat", wo er sich, den Fatalismus ächtend, im Unterschied zu Heraklit gegen die Notwendigkeit und für die Freiheit aussprach: "Nicht wird ein Daimon euch erlosen", heißt es hier, "sondern ihr werdet euch einen Daimon wählen [...] den Lebenslauf wählen, mit dem ihr dann notwendig verbunden bleibt.Ja, wir konnten sie gar nicht anders konstruieren, da wir sie nur so entwerfen können, wie unser Bewusstsein gebaut ist.Die Welt zu erkennen und sie zu konstruieren ist demnach ein und derselbe Vorgang.Faktum ist, dass wir selbst der Welt notwendig Ordnung beibringen müssen, um sie überhaupt erkennen zu können, und dass es bloß unsere Ordnung ist, wenn etwas geordnet erscheint.Letztlich waren wir es, die die Welt konstruiert haben, und wir haben sie genau so entworfen, dass wir sie auch erkennen konnten.Erkennbar wird die Welt, so Kant, ausschließlich als unsere Vorstellung.Welcher Art Ordnung sie tatsächlich entspricht, bleibt unentscheidbar.

Übersetzt man bloß das mittlere dieser Worte, so lautet der Satz: "Des Menschen Ethos ist sein Daimon".

Eine mögliche Übersetzung wäre: "Des Menschen Eigenart ist sein Schicksal".

In Platons "Apologie" beruft sich auch Sokrates mehrmals auf sein "Daimonion": Es habe ihm immer schon als Entscheidungshilfe beigestanden, falls er unsicher gewesen sei und "irgendwie unrichtig" habe handeln wollen.

Doch nicht nur das, was außen ist, liegt gleichsam in uns selbst, sondern auch, was von Haus aus innen wohnt und allem Äußerlichen Farbe gibt.

Und genau dieses Psychische wird es wohl gewesen sein, was jene Griechen, die den denkwürdigen Spruch in Delphi einmeißeln ließen, im Sinn hatten.

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